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Der Dodo - Die Dronte

Didus ineptus - Raphus cucullatus

Ein Nachtrag über den Didus Ineptus

von
Lehmann, Königl., Dänischem Conferenzrathe in Kopenhagen.
M.d.A.d.N.
Mit einer Abbildung
Bei der Akademie eingegangen den 6.September 1843

Je auffallender er ist, dass ein grosser Vogel, welcher sich noch vor 300 Jahren in bedeutender Menge auf der Insel Mauritius gefunden, wovon vor 200 Jahren ein lebendes Exemplar in Holland gewesen, gänzlich vom Erdboden verschwunden, um so verdienstlicher ist es, dass Professor de Blainville in Paris in seiner kritischen Abhandlung über den Didus ineptus (Nouv. Annales du Muséum d'Histoire naturelle. T. IV.) die historischen Zeugnisse der Schriftsteller darüber gesammelt, und die noch in Sammlungen vorhandenen Ueberreste genau nachgewiesen hat.

Zu Beiden kann ich einen Nachtrag liefern.

Im Jahre 1651 hatte der Herzog Friedrich von Schleswig-Holstein die damals berühmte Enkhusische Kunstkammer von den Erben des Dr. Paludan durch Adam Olearius ankaufen und nach seinem Schlosse Gottdorf bringen lassen. Der bekannte Adam Olearius, Vorfahr des dänischen Dichters Oehlenschläger, gab im Jahre 1666 eine "Beschreibung der Gottorfischen Kunstkammer" mit Kupfern heraus, welche 1674 neu aufgelegt worden.

Unter den dort angeführten, damals seltenen, Naturalien wird genannt:
"Der kopf von einem fremden Vogel, welchen Clusius Gallum peregrinum, Nirenbergius Cygnum cucullatum, die Holländer aber Walghvogel, vom Ekel, den sie wegen des harten Fleisches machen sollen, nennen. Die Holländer sollen zuerst solchen Vogel auf der Insel Mauritius angetroffen haben, soll auch keine Flügel, sondern an dessen Statt zwo Pinnen haben, gleich wie die Emen und Pingvinen. Clus. exot."

Er begleitet diese Notiz mit einer Abbildung, Tab. XIII. Fig. 5, wovon ich eine Copie habe nehmen lassen, die ich beifüge, da das Buch sich wohl nicht mancher Orten finden möchte.

Kopenhagen  - Dronte

Ganzseitiges Bild

Die Abbildung, welche Olearius von den in der Gottorfischen Kunstkammer vorhandenen Gegenständen gegeben, sind sehr getreu. Bei'm Didus kann dies aber nur von dem Kopfe gelten, welchen allein er gehabt, und den im Umriss angedeuteten Körper nur nach der Figur hinzugefügt, welche sich Clusii exotica p. 99 findet, und von welcher dieser sagt, sie sei nach einer rohen Zeichnung gemacht, welche Schiffer, die von Mauritius zurück gekehrt, haben stechen lassen (rudi arte delineatam avem reduces cudi curabant). Dies beweiset zugleich, dass der sorgfältige Olearius bei seinem Aufenthalte in Holland in der Mitte des 17ten Jahrhunderts nichts mehr über den Didus erfahren, als was bereits Clusius angegeben hatte.

Die Gottorfische Kunstkammer ward von dem dänischen Könige Friedrich IV. in dem Kriege mit Schweden, woran der Herzog von Schleswig-Holstein Theil genommen, von dem herzoglichen Schlosse nach Kopenhagen weggeführt und der hiesigen königlichen Kunstkammer einverleibt.

Hier hatte diese grosse naturhistorische Seltenheit über 100 Jahre unbeachtet zwischen ausgezeichneten Schätzen und mancherlei Schnurrpfeifereien gelegen, und war gänzlich in Vergessenheit gerathen, welches bei der gewöhnlichen Aufsicht über solche gemischte Sammlungen nichts zu verwundern ist. Als aber die Kunstkammer nach einer wissenschaftlichen Revision technisch geordnet und die derartigen Naturalien an das königl, naturhistorische Museum abgegeben wurden, wurde dieser seltene Schatz gleichsam auf's neue wieder entdeckt. Der kenntnissreiche Assistent bei der zoologischen Abtheilung des Museums, Herr J.T.Reinhardt, erkannte den Didus-Schädel unter andern Vogel-Cranien, welcher nur, gehörig gewürdigt, eine besondere Zierde unseres in mehreren Theilen merkwürdigen naturhistorischen Museums ausmacht.

Von dem Kopfe, welchen die Gottorfische Kunstkammer besass, ist wie gesagt, nur noch der Schädel vorhanden; aber dieser ist unversehrt. Er ist von einem ausgewachsenen Exemplar, etwa über 8 Zoll vom Hinterkopf nach der Schnabelspitze, gleich dem in dem Oxforder Kabinete. Herr Reinhardt wird davon eine ausführliche Beschreibung veröffentlichen. Meine jetzige Angabe soll nur dazu dienen, die Besitzer von alten Kabineten und die Aufseher derselben, auf diesen Gegenstand aufmerksam zu machen. Wenn auch nicht in Portugal, sollten doch wohl noch in Holland, wo immer eifrige Sammler von Seltenheiten waren, sich noch Reste des ausgestorbenen Vogels auffinden lassen, wodurch unsere Kenntnisse desselben erweitert werden möchte.
Bis jetzt sind davon nur bekannt:
1) Das Oelgemälde in Lebensgrösse, und
2) ein wohlerhaltener Fuss, im britischem Museum.
3 Ein Kopf, und
4) ein sehr beschädigter Fuss; in der Ashmolischen Sammlung zu Oxford.
         Und nun
5) der wohl erhaltene Schädel der Gottorfischen Kunstkammer, im königlichen naturhistorischen Museum zu Kopenhagen.

Schliesslich bemerke ich noch, dass die beste Abbildung des Dronte, von Blumbach, sich nicht in seinem "Hanbuche der Naturgeschichte", wie Blainville angibt, sondern auf der 35. Tafel seiner "Abbildung naturhistorischer Gegenstände" befindet, und dass dieser die Edwardsche Figur wohl zum Grunde liegt, dass sie aber, nach dem im britischen Museum vorhandenen Reste, von Blumenbach corrigirt ist.

Dodo und andere Vögel

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