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Wir suchen!!!

Für eine Theater-Inszenierung suchen
wir interessierte spielbegeisterte und musikalische Akteure, sowie Musiker

Bitte im DODOhaus melden!!!
Huttenstraße 30
10553 Berlin
Tel: 0178 6875 832

Peter Krüger

 

Peter Krüger: Ich bin ein Berliner Regisseur und Mitglied
des Internationalen Theaterinstitutes bei der UNESCO,
habe u.a. in Polen, Russland, Tschetschenien, Inguschetien und Österreich inszeniert.

Theaterinszenierungen und Filmarbeiten leite ich in Deutschland seit 1976.

Mit Amateuren arbeitete ich 2000 bis 2004 und 2009 bis 2010 [****siehe unten].

Im "DoDohaus" entstand die Idee für eine Inszenierung des Songspiels

"Das kleine Mahagonny"

von Bertolt Brecht mit der Musik von Kurt Weill.

Ich bin auf der Suche nach musikalischen Akteuren,
sowie Musikern.

Es folgt die Erzählung der Handlung:

Brechtabend - Über die großen Städte

Mahagonny- Ein Songspiel


Text: Bertolt Brecht
Musik: Kurt Weill


"Tuet alles heute Nacht, was verboten ist.
Wenn der Hurrikan kommt, der macht es auch so…"


BESETZUNG:
LEOKADJA BEGBICK
FATTY, der Prokurist
DREIEINIGKEITSMOSES
JENNY
JIM MAHONEY
JACK
BILL, genannt Sparbüchsen Bill
JOE, genannt Alaska Wolf-Joe
TOBY HIGGINS
SECHS MÄDCHEN


Die Handlung spielt in der "Kolonie" Mahagonny, am Rande einer fiktiven großen Stadt.

Die wegen Betrug und Kuppelei gesuchten Gauner Fatty Begbick;Witwe, Willy, der Prokurist, und Dreieinigkeitsmoses sind auf der Flucht vor den Bullen im Osten. Sie wollen in ein europäisches Land, in dem sie schnell wieder Geld machen können. Doch ihr Auto geht auf der Durchreise kaputt. Sie beschließen, da sie weder vorwärts noch zurück können, hier eine "Kolonie" zu gründen. Sie soll Mahagonny heißen. Hier wollen sie den "Betuchten", fettes Geld durch Bars und Bordelle aus der Tasche ziehen. Ruhe und Eintracht soll hier herrschen.


Weil in der "Kolonie" alles erlaubt ist, wächst sie schnell.


Mit Gestrandeten aus vielen Ländern kommen auch vier "Holzfäller": Sparbüchsen- Billy, Alaska Wolf-Joe, Jack O'Brien und Jimmy Mahoney. Sie wollen ebenso in Mahagonny schnell glücklich werden. Kaum angekommen, verliebt Jimmy Mahoney sich in die Hure Jenny. Jimmy wird aber rebellisch, als er ein Schild mit der Aufschrift "Hier ist verboten" sieht… Doch mitten im Aufstieg kommt es ohne Vorwarnung zu einer Krise in der "Kolonie", Viele verlassen sie. Die Witwe Begbick muss bleiben, sie wird überall gesucht. Zu allem Überfluss zieht ein Hurrikan auf Mahagonny los. In der Nacht findet Jimmy sein Gesetz der menschlichen Glückseligkeit, es lautet: "Du darfst alles!" Das einzige Verbot lautet: Kein Geld zu haben - darauf steht die schwerste Strafe. Kurz vor der Zerstörung Mahagonnys durch den Hurrikan macht Jimmy den Menschen klar, dass man keinen Taifun braucht, um alles zu zerstören, das können die Menschen jederzeit selbst.


Der Hurrikan nähert sich Mahagonny schnell. Die Medien geilen sich an der ständig wachsenden Gefahr auf... Eine Minute vor der "Kolonie" Mahagonny macht der Sturm plötzlich einen Bogen und verschont seine Bewohner.
Zum neue Leitspruch in Mahagonny wird.

Jims Motto: "Nichts ist verboten, alles ist erlaubt und käuflich",

"Erstens, vergesst nicht, kommt das Fressen
Zweitens kommt der Liebesakt
Drittens das Boxen nicht vergessen
Viertens Saufen, laut Kontrakt.
Vor allem aber achtet scharf
Dass man hier alles dürfen darf."

(wenn man Geld hat). Das zieht Folgen hinter sich her: Jimmys Freund Jakob überfrisst sich an zwei Kälbern. Joseph stirbt bei einem Preisboxen gegen Dreieinigkeitsmoses, nachdem er Jimmy überredete, sein ganzes Geld auf ihn zu setzen. In der nächsten Szene gibt Jimmy sämtlichen Männern Mahagonnys grosse Flaschen mit Whisky aus. Doch als Fetty Begbick die Bezahlung fordert, fällt ihm auf, dass er kein Geld mehr hat. Sein eigenes Gesetz wird ihm zum Verhängnis. Da weder Jenny noch andere für ihn bezahlen wollen, wird er verhaftet.


Jimmys Prozess beginnt. Das Gericht verhandelt zunächst einen anderen Fall, in dem eine wegen Mordes Angeklagter das Gericht besticht und daraufhin freigesprochen wird. Jimmy hat aber kein Geld, um sich auch freizukaufen. Auch seine Freunde helfen ihm nicht. Jimmy wird mit einer abstrusen Anklage konfrontiert und schuldig gesprochen: Für indirekten Mord Josephs, Verführung der minderjährigen Jenny, Störung von Friede und Eintracht, sowie ruhestörendem Lärm durch Singen. Der Hauptpunkt der Anklage ist Zechprellerei. Jimmy wird zu einer hohen Strafe mit tödlichem Ausgang verurteilt. Er hat sich eines Verbrechens schuldig gemacht: Geldmangel. Jimmy nimmt Abschied. An dieser Stelle wird auch erzählt, wie Gott einmal nach Mahagonny kam ("Spiel von Gott in Mahagonny").


Das Ende ist, Mahagonny brennt und versinkt im Chaos.


Kurt Weill zieht in der Komposition einen weiten Bogen, mit Zitaten klassischer Musik in ironischer Form. So: Tekla Badarzewskas Gebet einer Jungfrau, als "ewige Kunst" kommentiert. Weiterhin werden u.a. Paul Linckes Schenk mir doch ein kleines bisschen Liebe,das Lied vom Jungfernkranz aus Carl Maria von Webers Oper Der Freischütz verwendet. In der Nummer Auf nach Mahagonny finden sich musikalische Formen aus Bachs Fugen, Choralvorspiele und Passionsmusik, Schrammelmusik, eine Marschkapelle, Shanty, Tarantella, Blues und ein Akkord aus Wagners Tristan und Isolde.


Ein Song zu Beginn wird von Jenny und sechs Mädchen auf dem Weg nach Mahagonny gesungen. Die Mädchen haben ihre Heimat im Osten und ihre Familien verloren. Sie sehen ihre Überlebenschance darin, sich an Männer zu verkaufen. Sie verabschieden sich von der Hoffnung auf ein besseres Leben, von romantischer Liebe und der Familie. Der in englischer Sprache verfasste Songtext des Alabama Songs wurde 1927 zuerst in Brechts Gedichten der Hauspostille veröffentlicht.

Der Song "Auf nach Mahagonny" wird von den vier "Holzfällern" gesungen. Sie freuen sich auf die lockenden Angebote. Auch ein Motiv des Mondes taucht in dem Lied der Männer auf und zeigt, dass sie ganz andere Lebenserwartungen haben als die Frauen. Der Mond trägt, aus der Sicht der Männer, die Farbe des amerikanischen Dollars und ist wie alles andere käuflich. Sie verspotten den Mond und nehmen ihm jede Romantik. Die Musik zeigt die freudige Stimmung der "Holzfäller", weist aber auch auf ihre verzerrte Lebenssicht.


Das Songspiel Mahagonny, geschrieben von Kurt Weill und Bertolt Brecht für ein Musikfest in Baden-Baden. Die Uraufführung war am 17. Juli 1927.

Wir übernehmen das Songspiel, erweitert durch Texte und Musik aus dem "Brechtabend Nr.2 - Über die grossen Städte" von 1962 im Berliner Ensemble.


Mahagonny ist laut Kurt Weill die Geschichte von Sodom und Gomorrha. Ähnlich wie die biblische Vorlage soll die "Kolonie" untergehen mit allen "Gerechten und Ungerechten", meint die Witwe Begbick. Tatsächlich wird das Schicksal der "Kolonie" nicht wie in der Bibel besiegelt, sondern durch eine moralische Katastrophe. Jimmy, der Held einer neuen Moral, wird nach seinen eigenen Gesetzen verurteilt. Sein Tod wird blasphemisch zu einer Kreuzigung. Als Motive sehen wir die Szene am Ölberg, Jesus Verspottung, seine Gerichtsszene, die Übergabe Jennys an Bill (Maria und Johannes), der letzte Hilferuf an Gott und das Durst- und Essigmotiv am Kreuz

Gott selbst tritt auf, zeigt seine Machtlosigkeit und wird von den Menschen höhnisch verwiesen.

 

**** Fußnote: DER DIBBUK in Guben / Gubin [2000-2004]

DIE ZEIT [November 2000] von Christoph Dieckmann

…Peter Krüger schuf das Schönste, was wir mit Guben erlebten. Anfang des Jahres kam der Theatermann aus Berlin, sah die mürbe Stadt, las von der jüdischen Vergangenheit, die bis auf Pfarrer Domke und Andreas Peter kaum noch einer kannte, und gab ein Inserat auf: Junge Laienschauspieler gesucht! Er fand etwa dreißig, auch aus Gubin. Sie studierten Dibbuk ein, das alte jüdische Volksstück von An-Ski, und führten zehnmal im stillgelegten Werksaal der Gubener Wolle auf, wie sich der Talmudschüler Chanon in die reizende Lea verliebt, die Tochter des reichen Reb Sender, die eigentlich Chanons Vater für den Sohn versprochen war; doch nun ist Chanon Waise und bettelarm, und Sender will mit Leas Ehe verdienen ... Nicht nur der Dibbuk rührte die Gubener tief. Ihre Stadt- und Industriegeschichte ist undenkbar ohne Juden. Krüger fuhr mit seinen jungen Leuten auch nach Auschwitz, und Ende Oktober traten sie bei den jüdischen Kulturtagen in Kraków auf…


Berlin, im Juli 2011
Peter Krüger